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Aktuelles  Der Belegarzt Deutschland

Die sozialen Sicherungssysteme können nicht mehr in üblicher Form finanziert werden. Die Hauptursachen dafür sind einmal in der demographischen Entwicklung zu sehen, aber auch die Arbeitslosenzahlen und die niedrige Geburtenrate machen die Finanzierungsprobleme immer unlösbarer. Der Gesetzgeber ist gefordert, die Renten zu sichern, die Arbeitslosen- und Sozialversicherungsleistungen zu überprüfen und unser bewährtes Gesundheitswesen so finanzierbar zu gestalten, dass unseren Bürgern eine dem jeweiligen Stand der Medizin angemessene und wirtschaftliche Versorgung dauerhaft gewährleistet werden kann.

Die medizinische Versorgung in der Bundesrepublik weist als Besonderheit eine sektorale Trennung zwischen der ambulanten und stationären Versorgungsebene auf. Während die ambulante Patientenversorgung im Regelfall ausschließlich durch freiberufliche, niedergelassene Ärzte erfolgt, wird die stationäre Behandlung durch die Krankenhäuser überwiegend durch angestellte Ärzte gewährleistet. Die niedergelassenen Ärzte sind (Zwangs-)Mitglieder (= Vertragsärzte) von Kassenärztlichen Vereinigungen, die vom Gesetzgeber den Sicherstellungsauftrag für die ambulante Patientenversorgung erhalten haben.

Wegen dieser strikten, sektoralen Trennung dieser beiden Versorgungsebenen ist es nachvollziehbar, dass Unwirtschaftlichkeiten auszuschließen sind.

Eine effiziente und wirtschaftliche Verzahnung der ambulanten und stationären Versorgung wird derzeit nahezu ausschließlich durch den Belegarzt gewährleistet.

Der Belegarzt ist Vertragsarzt, also Mitglied einer Kassenärztlichen Vereinigung, dem zusätzlich ein Krankenhaus das Recht eingeräumt hat, seine oder die ihm zugewiesenen Patienten dort auch stationär zu behandeln, wenn dies medizinisch erforderlich ist.

Der Belegarzt belegt Betten, steht aber in keinem arbeitnehmerähnlichen Verhältnis zu seinem Krankenhausträger. Er ist allerdings verpflichtet, die medizinische Versorgung seiner stationären Patienten rund-um-die-Uhr sicher zu stellen. Dies kann einvernehmlich mit dem Krankenhaus geregelt werden. In den letzten zwanzig Jahren hat sich ergänzend dazu ein sogenanntes kooperatives Belegarztwesen entwickelt, um dieser Verpflichtung gerecht zu werden. In einer kooperativen Belegarztabteilung arbeiten stets mehr als ein Arzt einer Fachrichtung zusammen und stellen die Patientenversorgung gemeinsam sicher. Die Versorgung eines Belegarztpatienten erfolgt also durchgehend mit Facharztstandard vorstationär, stationär und in der ambulanten, nachstationären Behandlungszeit.

Es ist also nachvollziehbar, dass dieses patientenorientierte System einer durchgehenden Versorgung kostengünstiger ist, zumal die Krankenhauskosten für Belegarztpatienten deutlich niedriger liegen als in den Hauptabteilungen mit angestellten Ärzten. Der Belegarzt erhält nämlich sein Honorar für seine stationären ärztlichen Leistungen derzeit durch seine Kassenärztliche Vereinigung.

Obwohl das Belegarztwesen in Deutschland seit langem etabliert ist und sich bewährt hat, stagniert mit knapp 6000 Belegärztinnen und Belegärzten seit Jahrzehnten unser Belegarztsystem. In Relation zur Zunahme der Facharztdichte ist es sogar rückläufig. Bis hinein in die 60er Jahre des zurückliegenden Jahrhunderts dominierte das Belegarztwesen, insbesondere in den ländlichen Regionen.

Seit dieser Zeit allerdings wurden immer mehr Belegabteilungen in Hauptabteilungen umgewandelt oder neue Fachabteilungen hauptamtlich errichtet. Dieser Prozess wurde in den Bundesländern sehr unterschiedlich umgesetzt. Das Bundesland Bayern fördert nach wie vor das Belegarztwesen vorbildlich. Insofern sind auch etwa 25% aller Belegärzte dort tätig. Schwerpunktdisziplinen im Belegarztsystem sind quantitativ die Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie die Fachgebiete Hals-Nasen-Ohren, Augenheilkunde und Urologie, aber auch andere Organfächer haben Belegärzte.

Die Zukunft der Belegärzte, die derzeit etwa 60.000 Krankenhausbetten betreuen, kann im derzeitigen Umbruch unseres Gesundheitssystems noch nicht abgeschätzt werden. Mit der verbindlichen Einführung einer erlösorientierten Krankenhausfinanzierung durch Fallpauschalen, den sogenannten Diagnosis Related Groups (DRG), bestehen nicht nur Chancen für eine gewünschte Stärkung des Belegarztwesens, sondern natürlich auch Gefahren, die erst nach endgültiger Umsetzung der Gesetze üblicherweise erkennbar werden.

Es ist das verständliche Ziel des Bundesverbandes der Belegärzte, die Situation seiner Belegärzte zu verbessern, das Belegarztwesen auf Dauer zu erhalten und zu stärken. Nur durch solche Maßnahmen können wir dauerhaft einen Beitrag zu einer qualitativ hochwertigen Patientenversorgung leisten.

Vielen Dank, dass Sie sich über das Belegarztwesen informiert haben.


Dr. Klaus Schalkhäuser